Drei Affen

Nichts sehen,
Nichts hören,
Nichts sagen.

dreiaffen

Die Drei Affen stammen aus dem Buddhismus und sind auch bei Konfuzius, als die Vier weisen Affen, zu finden. Nach ihnen soll man nichts Böses sehen, nichts Böses hören, nichts Böses sagen und auch nichts Böses tun.
Wobei die ersten zwei viel zu oft vorkommen und die letzeren wohl die Empfehlenswerteren sind.

Aber davon abgesehen, was, wenn man wirklich nichts sieht, nichts hört oder nichts sagen kann?

Ich hatte heute im Bus ein überaus faszinierendes Erlebnis. Faszinierend und beeindruckend. Mir gegenüber stand eine Frau und telefonierte. Was daran so faszinierend ist – sie war (taub-)stumm. Mit einem Smartphone und einem Videoanruf heutzutage kein Problem mehr. Und in diesem Fall ist mit Nachdruck zu sagen: Ein Hoch auf moderne Technologien.

Das Ganze hat mich dann so ein bisschen nachdenklich gemacht.

Auf was könnte ich am wenigsten verzichten?
Auf mein Hörvermögen?
Auf meine Stimme?
Oder auf mein Augenlicht?

Mein Hörvermögen…
Keine Musik mehr, keine Geräusche mehr, keine vertrauten Stimmen mehr, nur eine endgültige Stille, die bleibt.
Ich glaube, auf Musiker verzichten zu müssen, wäre tragbar. Keine Geräusche und dadurch kein Lärm mehr, erscheint auch als eine Verbesserung. Aber keine vertrauten Stimmen mehr und nur mehr Stille, das wäre wohl doch sehr belastend.

Meine Stimme…
Keine stundenlange Gespräche mehr, kein Lachen mehr, kein Vorlesen, keine Geschichten, kein „Ich liebe dich“. Aber dafür auch keine Ausreden mehr, keine Lügen mehr.
Wenn man seine Anliegen, Wünsche und Gefühle adäquat in Worte fassen kann, ist nicht sprechen zu können zwar eine Hürde, aber mit Sicherheit keine, die mich aufhalten würde.

Mein Augenlicht…
Keine Sonnenaufgänge mehr, keine Sternennächte mehr, keine Blumen, keine Freunde, keine Wunder mehr – nur ewige Dunkelheit.
In einem vertrauten Umfeld und mit viel Beständigkeit, findet man sich auch wohl auch ohne Augenlicht zurecht, aber für immer in der Dunkelheit zu weilen, ist doch hart.

Müsste ich jetzt eine Entscheidung treffen, so würde ich auf meine Stimme verzichten. Denn auch ohne etwas zu sagen, gibt es viele Möglichkeiten sich zu verständigen.
Nichts mehr zu sehen, wäre für mich hingegen die größte Strafe. Denn das hieße keine Landschaften mehr, kein freundliches Lächeln eines anderen mehr, keine Bücher mehr, keine vertrauten Gesichter mehr. Nur mehr endlose Dunkelheit. Etwas, dass ich mir nicht einmal richtig vorstellen mag.

Und doch muss ich am Ende sagen, dass ich von Herzen froh bin, nicht wählen zu müssen.

Ich höre, mehr als ich sollte.
Ich rede, oft auch wenn manchmal Schweigen besser wäre.
Und ich sehe, zwar nur mit entsprechender Sehhilfe, aber doch.
Und ich bin sehr dankbar dafür.

Vielleicht sollten wir uns ab und zu wieder etwas mehr ins Gedächtnis rufen, dass auch das nicht immer selbstverständlich ist.

Wir hören zu oft weg, wenn wir etwas sagen sollte.
Wir sagen oft etwas Falsches.
Wir sagen oft nichts, wenn wir auf keinen Fall schweigen sollten.
Wir schauen zu oft weg, wenn wir eigentlich handeln sollten.

Wir sollten dankbar sein, für das, was wir haben.

Ich möchte nicht mehr weghören, ich möchte nicht mehr wegschauen und ich möchte nicht mehr schweigen.
Aber, ich möchte auch genauer bedenken, was ich sagen und was ich damit anrichte.
Ich möchte es zumindest versuchen und möchte dankbarer für all diese Selbstverständlichkeiten sein, die ganz und gar nicht selbstverständlich sind.

Was denkt ihr?
Worauf könntet ihr am wenigsten verzichten?
Was würde euch am meisten fehlen?

.

.

.

Drei Affen

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7 Gedanken zu “Drei Affen

  1. buchstabentraeume schreibt:

    Ein sehr schöner Beitrag ist das!

    Ich hoffe, dass ich niemals auf mein Augenlicht verzichten muss. Die Vorstellung, dass ich meinen Mann nie wieder sehen kann und auch die Erinnerungen an sein Gesicht nach und nach verblassen, finde ich einfach unendlich furchtbar und unendlich traurig.

        • ladysmartypants schreibt:

          Sehr sogar – und wenn man so darüber nachdenkt, sind manche der heutigen „Probleme“ (oh mein Gott, meine Klamotten sind so von letzter Saison, oh mein Gott, mein iPhone ist schwarz und nicht weiß,…) beinahe lächerlich. Ich zweifle nicht daran, dass jeder Mensch sein Päckchen zu tragen hat und möchte auf keine Fall die Probleme anderer beurteilen, oder gar abwerten, doch solche Oberflächlichkeiten sind doch eher nebensächlich.

          • buchstabentraeume schreibt:

            Das stimmt total! So etwas sollte man sich immer wieder in Erinnerung rufen. Es ist vielleicht ok, sich ab und zu mal selbst zu bemitleiden. Aber meist geht es uns im Vergleich zu anderen doch noch ziemlich gut…

          • ladysmartypants schreibt:

            Da muss ich dir voll und ganz zustimmen.
            Uns geht es ja nicht nur in dieser Hinsicht verdammt gut, wir haben in Österreich und Deutschland einen Lebensstandard und eine Lebensqualität, mit dem andere Länder einfach nicht mithalten können. Darüber sollten wir uns vielleicht mal etwas klarer werden, vor allem wenn man sich wieder über Kleinigkeiten beschwert.

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