Ich bin ein Freak

„Ich bin ein Freak!“

Da. Ich hab’s gesagt. Ich hab gesagt, was alle denken. Denn ich weiß, was sie denken. Was? Habt ihr geglaubt, ich würde eure Blicke nicht bemerken? Nicht mitbekommen, dass ihr mich wie ein Alien anstarrt? Nicht bemerken, wie ihr tuschelt und kichert? Zu eurer Information: Ich habe es bemerkt!

Und wisst ihr was? Es ist mir egal!

Ja, ich bin ein „Freak“ – und? Wenn es für euch „freakig“ und abnormal ist, sich für Literatur (oder generell etwas anderes als sich selbst) zu interessieren, wenn es komisch ist, gerne ein Buch in die Hand zu nehmen und es auch zu lesen – dann bin ich, verdammt noch mal, nur zu gern ein Freak!

Freak

Denn JA, ich vergrabe mich mit Leidenschaft in Büchern, verschwinde in andere Welten und benutze meine Fantasie. Ja, ich mag Bücher und es fällt mir schwer, ein Buchgeschäft zu verlassen ohne nicht mindestens drei Bücher zu finden, die ich am liebsten an Ort und Stelle lesen würde – na und?! Was ist denn schon dabei?

Manchmal fragt man sich schon, in welch einer verschrobenen Welt man lebt, wenn es als abnormal gilt, sich nicht für Reality-Shows aller Art zu interessieren, nicht up-to-date zu sein, was Klatsch und Tratsch angeht und keine Ahnung zu haben, wer die wievielte Staffel von was weiß ich für einer „Talent-Show“ gewonnen hat? Wo beinahe als Monstrosität angesehen wird, wenn man sich für Literatur interessiert und mehr als nur ein einziges Buch im Regal stehen hat. Denn wenn das vorher Genannte alles legitim ist, wieso dann das Lesen nicht?

Ganz davon abgesehen, dass es jedem Menschen selbst überlassen ist, wie er seine Freizeit verbringt und wofür er sich interessiert – was wirklich aufregt, ist die Einstellung mancher. Dieses „Bücher sind schlecht und Menschen, die lesen, dumm“ regt dermaßen auf, dass es schwer wird, die richtigen Worte zu finden.

Was ist denn bitte schon dabei, wenn man gerne liest? Es soll doch bitte jedem selbst überlassen sein, wie man seine Freizeit gestaltet. Wieso muss ich mich dumm anschauen lassen, wenn ich ein Buch auspacke, oder gar nur erwähne, dass ich eines in der Tasche habe? Ich schaue andere Menschen ja auch nicht schräg von der Seite her an, wenn sie sagen, dass sie Kuckucksuhren sammeln, an der Bart-Weltmeisterschaft teilgenommen haben, der größte Fan von Dieter Bohlen, Hansi Hinterseer, Justin Bieber oder, was weiß ich, sind.

Von meinen persönlichen Präferenzen mal ganz abgesehen, bin ich absolut der Ansicht, dass jeder Mensch seinen Leidenschaften nachgehen dürfen sollte (insofern diese nicht die Rechte, Würde oder sonstiges anderer verletzen).
Sicher, ein Fan von Bohlen werde ich niemals werden, aber wenn jemand anderer ihn gut findet, dann soll er doch. Nur wieso sollte ich ihn deswegen als Freak bezeichenen, um wieder zum Anfang zu kommen.

Jemanden als Freak zu bezeichnen und auszuschließen, bloß weil er nicht dieselben Interessen hat, erscheint mir wirklich selten blöd – ist ja nicht so, dass man noch etwas voneinander lernen könnte.

Also, liebe Gesellschaft, bitte lass die Menschen doch einfach ihren Hobbies nachgehen und schreib ihnen nicht vor, was sie zu tun und zu lassen haben! Und, liebe Mitglieder ebenjener Gesellschaft, hört endlich auf, Menschen auszugrenzen!
– Danke!

Ist euch sowas auch schon mal passiert? Dass ihr gesagt habt, dass ihr gerne lest und ihr wie ein Außerirdischer angestarrt wurdet oder gleich den Blick zugeworfen bekommen habt, den man bekommt, wenn man etwas Ekeliges unterm Schuh hat?
Wie reagiert euer Umfeld auf eure Lese-Leidenschaft? Sind Bücherwürmer auch eher eine Rarität?
Oder besser gefragt, mal ganz allgemein, wegen welchen Aussagen, wegen welchen Hobbies habt ihr schon den ein oder anderen schrägen Blick abbekommen?

Ich würd mich wirklich sehr über Erzählungen von euren persönlichen Erlebnissen, Geschichten und Erfahrungen freuen 🙂

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14 Gedanken zu “Ich bin ein Freak

  1. Ninespo schreibt:

    Oioioi.. da hast du aber ordentlich Dampf abgelassen 😦 Schade, dass dir jemand deine Leidenschaft zu miesmachen wollte. Ich habe bisher keine Anfeindungen gegen meine Leseleidenschaft erleben müssen. Meine beste Freundin liest gerne, mein Freund auch, ebenso meine Mutter. Ich studiere Germanistik und kenne viele Leute, die viel lesen müssen (Studium) und es mehr oder weniger lieben, aber es gibt auch welche, die kaum lesen. Die wiederum finden es eher erstaunlich wie viel ich lese, nicht das Lesen im Allgemeinen. Das einzige, was kritisiert wird, bzw was lustig für andere ist, ist meine Pingeligkeit bezüglich meiner Bücher. Ich hasse Eselsohren, Dreck, Knicke, angeditschte Ecken und Ähnliches. Grausam! Darüber schmunzeln meine Freunde, akzeptieren es aber. 🙂

    • ladysmartypants schreibt:

      Ja, das musste ich einfach mal loswerden ^^
      Schade auf jeden Fall, aber ich hab nicht vor, mir diese Leidenschaft miesmachen zu lassen – es gehört einfach zu mir, auch wenn ich in letzter Zeit etwas faul war, so bin ich dennoch ein Bücherwurm. Nur leider gibt es in meiner Umgebung viel zu viele Nicht-Leser. Und da kassiert man schon des öfteren schräge Blicke.
      Glücklicherweise hab ich auch ein paar wenige Freunde, die auch Leser sind und sonst gibt es ja noch das Internet, um Gleichgesinnte zu suchen 🙂
      Und wie ist das Studium so? Das wäre nämlich auch mein Ziel zusammen mit Anglistik/Amerikanistik 😉
      Haha, das kommt mir bekannt vor 😀
      Ich bin zwar auch sehr pingelig, aber leider auch ebenso ungeschickt und mir passiert selbst ab und zu das ein oder andere Missgeschick xD

  2. birtheslesezeit schreibt:

    Hallo – interessanter Post, bei dem Du mal wirklich kein Blatt vor den Mund genommen hast :-). Schade, dass es wohl die Personen nicht zu lesen bekommen, die angesprochen werden…Ja, das is schade, wenn man für sein Hobby, in unserem Fall die Leidenschaft für’s Lesen, als Freak bezeichnet wird oder abschätzig angesehen wird.
    Jeder ist doch ein Freak – auf die einer oder andere Weise – der Eine liest, der andere treibt Sport, strickt, sammelt irgendetwas, sitzt stundenlang vor PC oder elektr. Geräten… Was soll’s – jedem das Seine – und uns unsere Bücher ! Nicht aufregen, sondern einfach ignorieren und : weiterlesen ! :-).
    Liebe Grüße

    • ladysmartypants schreibt:

      Hallo zurück 🙂
      Da hast du leider vollkommen Recht, trotzdem musste es einfach mal gesagt werden.
      Das sehe ich ebenso, nur leider sehen es zu viele anders, wobei ich einfach nicht verstehe, was am Lesen so komisch oder freakig sein soll? Du vielleicht?
      Haha, dankeschön 🙂
      Keine Sorge, vom Lesen lasse ich mich auf keinen Fall abbringen, aber manchmal muss man einfach etwas auf den Tisch hauen 😀
      Liebe Grüße und besonders viel Lesefreude (und noch mehr spannende Bücher)
      Smarty

      • birtheslesezeit schreibt:

        Die Leute, die uns nicht verstehen oder uns als „freakig“ bezeichnen, gehen oft in ganz anderen Hobbies auf, die wir vielleicht wiederum „freakig“ bezeichnen würden ;-).
        Jedem das Seine, finde ich… Liebe Grüße,

        • ladysmartypants schreibt:

          Das stimmt auch wieder, aber wegen all der schrägen Blicke, die ich schon abbgekommen hab, hab ich schon lange aufgehört die Hobbies anderer zu „bewerten“ – solange es die Person glücklich macht, soll sie doch bitte tun und lassen was sie möchte 🙂

          Liebe Grüße

  3. buchstabentraeume schreibt:

    Ein sehr wichtiger Artikel, finde ich. Mir geht es wie Ninespo: Ich werde hauptsächlich deshalb schief angeschaut, weil ich so viel lese. Und dann wird sich gewundert, warum ich abends nicht mal einen Film schaue, sondern mit einem Buch vor der Nase auf dem Sofa sitze. Da bekomme ich dann auch recht schnell das Gefühl, mich rechtfertigen zu müssen. Was echt schade ist…

    • ladysmartypants schreibt:

      Auch da verstehe ich nicht, was so seltsam sein soll? Wo liegt der Unterschied, ob ich drei Stunden lesen oder drei Stunden vorm PC, Fernseher oder vor der Spielkonsole meiner Wahl verbringe?
      Sicher, es ist Ansichtssache, trotzdem finde ich ein gutes Buch immer noch weit spannender als den „besten“ Film.
      Und genau dieses Gefühl sollte eigentlich nicht sein, denn es ist eigentlich schon eine Frechheit, dass man uns so ein Gefühl gibt – nur fragt man mal nach, warum alle so gegen das Lesen sind, oder es so ungewöhnlich finden, bekommt man kaum sinnvolle Argumente zurück, wenn man überhaupt eine Antwort bekommt.
      Sehr sehr schade sogar, aber leider wird sich das wohl in nächster Zukunft nicht gravierend verändern…

  4. meinesichtderwelt schreibt:

    Ok, sie haben dich als Freak bezeichnet. Weil deine Vorliebe ihnen fremd ist und sie dich in eine Kategorie einordnen müssen. Um in ihrer eigenen Welt ein System zu haben. Mit dem sie Menschen zuordnen können. Statt dich und sich und jeden anderen einfach sein zu lassen. Und entspannt zu Leben 😉 mach dein Ding, lies, so viel du kannst. Es bereichert dich und macht dein Leben besser. Ich für meinen Teil kann zum Schubladendenken nur sagen: und dafür nimmt sich jemand Zeit? Die hab ich nicht. Liebe Grüße von Doris

    • ladysmartypants schreibt:

      Glaub mir, vom Lesen wird mich so schnell niemand abhalten – es ist einfach ein Teil von mir 🙂
      Ja, Schubladendenken ist wirklich das letzte, aber was will man machen ^^
      Ich werd, wie du sagst, jetzt entspannen, mein Leben leben und mein Buch genießen 😀

      Liebe Grüße
      Smarty

  5. Corileinchen schreibt:

    Hat dies auf sweet and sweeter rebloggt und kommentierte:
    Ich könnte Smarty kaum mehr zustimmen – und an alle Bücherwürmer, lasst euch das Lesen nicht madig machen! Die anderen haben ja keine Ahnung, was sie verpassen! 🙂

  6. wortmagieblog schreibt:

    Erst mal danke ich dir, dass du mich auf diesen Beitrag verwiesen hast. 🙂
    Die von dir beschriebene Aussage „Bücher sind schlecht und Menschen, die lesen, sind dumm“ hat mir wirklich die Sprache verschlagen. Ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll. Oder besser gesagt, ich weiß nicht, wo ich anfangen soll. Das ist auf so vielen Ebenen nicht korrekt, dass ich mich nicht entscheiden kann, mit welcher ich mich zuerst befassen sollte. Glücklicherweise muss ich das auch nicht. Denn hier empfinde ich mich in einem sicheren Umfeld, dem ich nicht erklären muss, warum dieser Spruch mich in eine ohnmächtige Wut treibt.

    Nach deinen Erfahrungen kann ich wohl nur dankbar sein, dass ich keine ähnlichen Erlebnisse durchleiden musste. Niemals. Zum Einen kann ich meine Liebe zu Büchern und zu Literatur immer mit meiner Familie teilen. Zum Anderen steht mein sonstiges Umfeld meiner Leidenschaft eher… gleichgültig gegenüber. So sehr es mich immer wieder enttäuscht, Gleichgültigkeit ist alle mal besser als das, was dir diese literarischen Kretins angetan haben. Ich habe noch nie gehört, dass man sich für das Lesen rechtfertigen muss. Und ich applaudiere dir von Herzen für die Erkenntnis, dass du das nicht nötig hast. Dass du sein kannst, wer DU sein willst, ohne dich irgendeiner willkürlichen Norm beugen zu müssen.

    Ich erhebe meine Stimme und reiche dir die Hände: auch ich bin ein Freak. Und ein Nerd. Und ein Punk. Und irgendwie asozial. Ich bin froh, dass wir den Mut teilen, zu dem zu stehen, was wir sind. Büchernarren, Literaturverrückte, Fantasten, Kreative. Soll sich die Welt doch das Maul zerreißen.

    • ladysmartypants schreibt:

      Ich hab zu danken, für deine Antwort 🙂

      In dem Fall kann ich nur sagen, dass jeder Leser wirklich froh sein kann, wenn er nicht mit so etwas konfrontiert wird. Denn es ist nicht nur im ersten Moment hart. Nein, das musst du wirklich nicht erklären, das verstehe ich (und wohl jeder andere Bücherwurm) nur zu gut.

      Gleichgültigkeit kann im Vergleich zu sowas ein absoluter Segen sein. Denn Gleichgültigkeit ist weder für noch gegen Bücher. Aber auch ich kenne die Entäuschung, wenn man voller Enthusiasmus über ein Buch reden möchte, aber es dem Gegenüber lediglich egal ist.

      „Literarische Kretins“ das muss ich mir eindeutig merken 🙂 Nicht nur, weil der Ausdruck mich zum Schmunzeln bringt und noch dazu überaus passend ist, sondern auch, weil ich es wundervoll finde, dass es noch Menschen gibt, die das Wort „Kretin“ überhaupt kennen.

      Glaub mir, ich bin selbst mehr als nur erleichtert über diese Erkenntnis und erfreue mich nun noch mehr am Lesen als zuvor.

      Dann sag ich mal, Willkommen bei den Freaks 🙂
      Wir sind froh, dich zu haben und sind stolz auf das, was wir sind.

      Nochmal vielen lieben Dank, für deinen Kommentar. Er hat mich wirklich sehr gefreut und es ist wirklich schön, zu wissen, dass man nicht allein ist 🙂

      Liebe Grüße
      Smarty

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