Entscheidungen…

Klar und hell erleuchtet der Vollmond den Himmel, die Milchstraße ziert das Firmament und der Abendstern funkelt in der Ferne. Eine frische Briese zieht über das Land und Valentina zieht ihre Beine näher zur Brust und umfasst ihre Arme enger, um sich selbst mehr Wärme zu spenden. Einsam verharrt sie auf dem sanften Grashügel und schaut, in Dunkelheit gehüllt, zu den strahlenden Sternen auf. So klar wie der helle Schein, spiegelt sich auch die Traurigkeit ihres Herzens in ihren Augen wieder. „Hätte ich doch nur…“ Immer wieder plagen sie die quälenden Gedanken. Immer wieder muss sie an die vielen Gelegenheiten denken und sich immer wieder fragen, warum sie damals gezögert hat.

In lang vergangenen Tagen schien ihre Verzagtheit für sie berechtigt, doch in einsamen und klaren Nächten wie dieser, kann sie diese nur von ganzem Herzen bereuen. Und obwohl so viele Jahre seit damals vergangen sind und obwohl sie es damals vielleicht nicht besser wusste, verdammt sie ihre damaligen Entscheidungen. Sie schließt die Augen und versucht den Kloß in ihrem Hals hinunter zu schlucken. Es gelingt ihr nicht. Zu schwer wiegen ihre Schuldgefühle und ihr schlechtes Gewissen.
Das Schluchzen, das ihrer Kehle entfahren will, unterdrückt sie zusammen mit der Tränenflut, die über ihre Wangen strömen möchte. Kaum hörbar schluchzt sie erneut: „Es tut mir leid…“

Im Geiste lässt sie die Geschehnisse Revue passieren. Das schlagartige Ende ihrer Kindheit. Das Verhalten ihr gegenüber. All die Geschehnisse, an die sie heute immer noch nicht ohne weiteres zurückdenken kann. Der Drang, irgendetwas zu empfinden. All ihre Entscheidungen. Die Einsamkeit. Und der Weg, den sie gegangen ist, egal welche Steine ihr in den Weg geworfen wurden. Der Weg, der ihr, trotz all dem Schmerz, den er bereitete, viel gelehrt hat. Der Weg, der sie zu jener machte, die sie heute ist.

Sicher, ihre eigenen Entscheidungen waren hart. Nicht nur für sie. Aber sie musste sie treffen, um sich selbst zu schützen. Außerdem hat sie diese nicht einfach so getroffen. Vielleicht, hätte sie keinen so endgültigen Schlussstrich ziehen sollen, aber vielleicht, hätte die andere Partei auch besser in mancherlei Hinsicht anders entscheiden sollen. „Vielleicht“, „hätt ich doch“, „wenn…“, Phrasen, Konjunktive, aber nichts, das etwas ändern würde. Nichts, das etwas ändert.

Vergangenes mag nicht mehr zu beeinflussen sein, dennoch hat es die Macht inne, Zukünftiges massiv zu beeinflussen. Wer weiß, wo sie heute wäre, wenn ihr manches nicht so oder gar nicht widerfahren wäre. Sicher, sie hat die ein oder andere Chance ungenützt, die ein oder andere Gelegenheit verstreichen und Manches einfach geschehen lassen, trotzdem kann sie sich nicht ihr Leben lang Vorwürfe machen. Die Dinge sind nun mal wie sie sind. So wie der Mond Nacht für Nacht über das Firmament wandert und die Erde sich um die Sonne dreht, so hat auch sie ihr Leben gestaltet.

Trotz allen „was wäre wenn“-s oder „hätte ich doch nur“-s macht es keinen Sinn, seinen Entscheidungen nachzutrauern und sie ewig zu bereuen. Manche mögen sie verfolgen, aber sie hat auch aus diesen Entscheidungen gelernt, ebenso, wie sie aus ihren Fehlern gelernt hat. Und alles in allem, war diese eine Entscheidung, die sie nach wie vor so quält, nicht zu ihrem Nachteil.
Trotzdem…
Sie öffnet die vor Tränen glitzernden Augen und blickt zum Abendstern hoch. „Es tut mir leid, Mama.“ 

 

written by lady smartypants

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Auch wenn sie doch ziemlich persönlich ist, hoffe ich, dass euch meine Kurzgeschichte gefallen hat.
Die ein oder andere Entscheidung plagt die meisten von uns, und doch hat sie uns dahin gebracht, wo wir heute sind. Ob das nun gut oder schlecht ist, sei außer Acht gelassen. Es bringt niemandem etwas, seinen Entscheidungen hinterherzutrauern. Es gibt so viele Möglichkeiten, seine Zeit besser zu investieren.

Über ein Gedankenanstöße, eure eigenen Gedankengänge und eurer eigenen Meinung zu diesem Thema, sowie Anmerkungen, Anregungen und auch Kritik würde ich mich wirklich sehr freuen.

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