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What doesn’t kill you…

… makes you stronger(?)

Tut es das wirklich? Oder ist das wieder „nur“ eine der Weisheiten, die wir Menschen uns so gerne einreden? Von denen gibt es ja mehr als genug. Falls nicht klar ist, was genau gemeint ist: Sprüche, die schon von den Eltern gepredigt werden und die man im Laufe des Lebens immer wieder hört und auch weitergibt.
Sowas wie: „Ein Indianer kennt keinen Schmerz“, „Bis du heiratest, ist alles wieder gut“. Meist hört man solche Sprüche von Kindesbeinen an, doch ist es kaum mehr als Suggestion. Ein cleverer, psychologischer Trick. Denn wenn man sich etwas lange genug einredet, glaubt man es auch.

In der Erziehung sind solche Dinge vermutlich wichtig, um dem Kind zu vermitteln, „dass das Leben weiter geht“, egal was passiert. Doch auf die eine oder andere Art und Weise, muss diese Lektion eines Tages jeder lernen. Was man dabei nicht vergessen sollte, auch wenn das Leben weiter geht, so sind der Schmerz und die Trauer, welche man bei einem Verlust empfindet, legitim! In solchen Belangen gibt es keine Norm, wie lange man trauern oder nicht trauern darf. Jeder braucht unterschiedlich lange. Es bringt uns nicht um, aber macht es uns deswegen stärker?

Ist es nicht eher so, dass wir schlicht lernen, damit zu leben? Denn das Ausmaß des Verlustes verändert sich ja nicht, lediglich die Art, wie wir damit umgehen, unterzieht sich einem Wandel. Es macht uns erfahrener, reifer und trotzdem wird uns der nächste Verlust ebenso hart treffen. Das sind keine Dinge, über die man so einfach hinwegkommt. Man lernt einfach damit zu leben. Und auch, wenn es vielleicht nie mehr so wird, wie es einmal war, heißt das nicht, dass es nicht wieder gut werden kann. Denn das kann es. Gut, nur auf eine andere Art.

Gibt es ein generelles Rezept, wie man am besten mit solchen Dingen umgeht – nein. Das wird es auch nie. So wie es kein Maß gibt, mit dem man das Ausmaß eines Verlustes messen könnte, so gibt es auch keines, um den Schmerz, den jemand empfindet, zu messen. Es würde mir niemals einfallen, zu behaupten, ich hätte mehr oder schlimmeres durchgemacht, als jemand anders. Denn davon abgesehen, dass man solche Dinge von außen nicht beurteilen kann, ist es ebenso unmöglich, Erlebnisse dieser Art zu vergleichen. Und auch wenn man mit Menschen spricht, die ähnliches durchgemacht haben, so werden auch die nicht exakt das gleiche empfinden.

„Du kannst das nicht verstehen. Du hast sowas nicht durchgemacht.“ – irgendwo bin ich über eine solche Aussage gestolpert und sie hat mich ziemlich beschäftigt. Wer sagt, dass ich es nicht verstehen kann? Und falls das doch der Fall ist, wer sagt, dass man nicht trotzdem Trost spenden kann? „Du hast sowas nicht durchgemacht!“ – vielleicht, dafür habe ich aber mit meinen eigenen Dämonen zu kämpfen. Vielleicht sollten wir in gewisser Hinsicht aufhören, selbst in diesen Bereichen in Schubladen zu denken. Das, das und das ist schlimm. Dies und jenes, ist weniger schlimm.
Das ist Blödsinn. Schlicht und einfach Blödsinn, der nicht wahr ist. Denn jeder Mensch empfindet Erlebtes anders.

(Was hingegen eine Frechheit ist, ist die Kluft zwischen dem Strafausmaß von Internetkriminalität, Steuerhinterziehung, was auch immer und Vergewaltigung, Kindesmissbrauch und solchen grausamen Dingen – tut mir leid, aber das musste mal gesagt werden)

Wie seht ihr das? Welche Lebensweisheiten wurden euch von euren Eltern mitgegeben? Und wie steht ihr zu dem „du hast das nicht durchgemacht“?
Ich freue mich sehr auf eure Antworten und bin schon sehr gespannt.

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4 Kommentare zu „What doesn’t kill you…

  1. Wow, spannendes Thema. Ich mag dazu eigentlich nicht viel sagen, weil das sehr schnell sehr privat werden würde (aber schön, dass ich trotzdem hier rumtipper und meinen Senf dazugeben muss lach). Na jedenfalls, ja, was einen nicht umbringt, macht einen stärker. Man wächst daran.

    Beschäftigt dich das gerade aus einem bestimmten Anlass oder nur so?

    Liebste Grüße, WortGestalt

    1. Oh ja, das ist es auf jeden Fall. Mit sehr vielen psychologischen und philosophischen Einflüssen – was es durchaus interessant macht.
      Das kann ich nur zu gut verstehen (macht doch nichts, mich freuts auf jeden Fall 🙂 )
      Tut man wohl, trotzdem kommt die Einsicht erst mit der Zeit.

      Es geistert schon länger rum, vor kurzem wurde es mal wieder gefüttert, wie das halt so läuft.

      Liebe Grüße
      Smarty

  2. Ich glaube, zu verstehen, welche Situationen du ansprichst. Manche meinen, man versteht bestimmte Dinge nicht, weil man sie nicht erlebt hat. Das ist bei bestimmtem Erlebnissen sogar richtig. Aber man hat vllt andere Dinge erlebt und die machen einen dann trotzdem zu einem ganz passablen Tröster. Wer schlimmeres erlebt hat, über soetwas zu urteilen, ist vermessen. Jeder macht andere Erfahrungen, hat einen anderen Schmerzhorizont, jeder misst Leid in anderen Relationen, da sollte es kein schlimmer oder weniger schlimmer geben. … Aber es ist bemerkenswert, wenn schlimme Dinge einen stärker machen und nicht zerbrechen…

    Liebe und nachdenkliche Grüße zur Nacht! ^^ Philly

    1. Ich gebe dir Recht, allerdings spielt es für mich keine Rolle, was jemand erlebt hat, denn Trost kann man immer spenden. Mehr als nur vermessen.
      Das stimmt, ist wohl das berüchtigte Biegen ohne zu brechen.
      Doch manche Dinge treffen einen genauso hart, wie beim allerersten Mal.

      Liebe Grüße
      Smarty

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