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Das Foto

Es ist wieder eine dieser Nächte. Ich fühle mich, als ob ich gleichzeitig schlafen würde und wach wäre, während ich mich in meinem Bett unruhig herum wälze. Eine Decke ist in dieser Nacht nicht nötig. Es ist viel zu warm, trotz des offenen Fensters, durch welches hin und wieder eine leichte Brise in mein Zimmer weht. Ich weiß schon, warum ich mein Bett genau vor das Fenster gestellt hatte, als wir eingezogen sind.

Meine Gedanken sind  vernebelt, wie das nun mal so ist im Halbschlaf. Doch ich denke darüber nach, wie mein Tag so verlaufen war. Ich erinnere mich noch daran, wie ich heute Nachmittag mit meinem Hund Gassi gegangen bin. Man, mein Köter kann manchmal ziemlich dumm sein, er riss sich von der Leine los und rannte auf die Straße, natürlich als gerade ein Auto kam. Ich habe es irgendwie geschafft, ihn von der Straße zu bringen, das war ein regelrechter Adrenalinstoß und seit diesem Moment schmerzt mein Rücken extrem, ich hatte mir wohl etwas dabei gezerrt. Nun gut, wenn das bis morgen nicht besser wird, geh ich zum Arzt, der soll sich das mal anschauen.

„Wie viel Uhr mag es wohl sein?“ Mit halb geschlossenen Augen taste ich nach meinem Wecker, spüre etwas, das sich wie ein Knopf anfühlt, drücke es und werde kurz darauf von einem Lichtblitz geblendet. Ich hatte meine Sofortbildkamera vergessen, welche ich gestern auf meinen Nachttisch legte. Warum hab ich das nochmal getan? Ach ich weiß nicht mehr.  Die Kamera entwickelt das Foto, doch als ich danach greife, fliegt es mir natürlich aus den Finger und gleitet langsam zu Boden . Scheiß drauf, werde ich mir das morgen eben anschauen.  „Was wollte ich nochmal? Oh stimmt, die Uhrzeit.“ Langsam öffnete ich meine Augen wieder nach dem Lichtblitz, diese  gewöhnen sich schnell wieder an die Dunkelheit, während ich meinen Blick durch das Zimmer schweifen lass und den Wecker betrachte. Dieser zeigt an 3:33 Uhr am Morgen an

Leise grummelnd und an den morgigen Tag denkend, drehe ich mich um und falle langsam in einem unruhigen Schlaf… Ernsthaft, mein Rücken bringt mich um.

Der nächste Tag bricht an, wobei die Sonnenstrahlen das gesamte Zimmer fluten und erhellen. Die Tür geht langsam auf und ich hörem, wie vier Pfoten schon in das Zimmer tapsen.  Ich muss nicht einmal die Augen öffnen, um zu wissen,  wer gerade mein Zimmer betreten hat. Das Tapsen kommt näher. Ich ringe mich dazu durch, langsam die Augen zu öffnen. Wie jeden Morgen sitzt mein Hund vor dem Bett, komisch nur, dass sein Blick irgendwie trauriger ist als sonst. Nicht, dass er jemals auch nur den Ansatz eines Lächelns gezeigt hätte, doch in dem treuen Blick lag eine gewisse Traurigkeit, oder sogar Einsamkeit?

Als ich seinen Namen sage, gibt er keine Reaktion von sich, selbst als ich neben mich klopfe, bleibt er ruhig vor meinem Bett sitzen. Die ganze Situation wird mir langsam extrem suspekt. Ich schaue meinem Hund in die Augen, er schaut zurück, obwohl, tut er das? Es wirkt eher, als ob er durch mich hindurch schauen würde. Besonders als ich mich aufrichte, und meine Hand nach ihm ausstrecke verstört mich seine Reaktion, anstatt wie gewöhnlich den Kopf an meiner Hand zu reiben, stellt er sein Nackenfell auf und weicht zurück, den Blick weiterhin auf mich gerichtet.

Langsam wird mir sein Verhalten echt unangenehm. Als ich aufstehe, spüre ich einen Luftzug durch das offene Fenster, und als wäre es vom Wind getragen, sehe ich, wie etwas unter meinem Bett hervorgeweht wird: Es war das Foto von gestern. Doch als ich es betrachte, läuft es mir kalt den Rücken hinunter.

Das Bild zeigt an sich ein schönes Motiv, es ist der Ausschnitt meines Zimmers, wo auch mein Bett steht. Durch das offene Fenster kann man den Sternenhimmel betrachten, die einzige Lichtquelle scheint eine Straßenlaterne zu sein, die direkt vor unserem Haus steht. Die Nacht war wohl so klar, dass man sogar die Uhr unseres Kirchturmes sehen konnte, wobei die Zeiger auf circa halb Vier standen. Nein, nichts was man auf dem Bild sah, würde mein Unwohlsein erklären, was ich empfinde, wenn ich das Foto betrachte. Das, was es erklärt, ist das, was auf dem Foto fehlt: ich. Dort, wo ich gestern Nacht gelegen habe, wo ich JEDE Nacht gelegen habe, war einfach nichts.

Wie auf Kommando fängt mein Hund das Winseln an, ich kann es ihm auch nicht verdenken. Sein Herrchen, ich, war nicht da und würde nie wieder kommen.

 

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Diese kleine Kurzgeschichte wurde von meinem besten Freund, Yuky, geschrieben und er würde sich sehr über Kritik, Anregungen und Vorschläge freuen 🙂

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Ein Kommentar zu „Das Foto

  1. Ich wusste es! Ich hab’s mir gleich gedacht – also dass der Prota tot ist. Naja ich kenn mich aus, wenn es daru geht die Protas in eine größtmögliche Sche… zu reiten 😀

    Aber die Geschichte gefällt mir. Erinnert mich ein bisschen an Akte X, was ich imemr gerne geschaut habe.
    Aber irgendwie… Der Prota ist nicht mehr zu sehen, aber er kann Dinge anfassen? Dachte immer bei Geistern wäre das eher andersherum 😉 Nein, Spaß beiseite. Das ist sicher ein schwieriges Thema (besonders eben in der Umsetzung). In Gechichten ist es ja so schön, dass man ein bisschen die Realität so anpassen kann, dass sie passt – versteht man was ich sagen will?!

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