Staatsfeind Nr. 1?

Nein. Nein zum Überwachungsstaat. Dieser Ansicht sind immer mehr Menschen, doch macht sie das automatisch zu Staatsfeinden? Eine eigene Meinung zu haben, wird heutzutage offensichtlich gerne genau so interpretiert. Nil Zurawski, Kriminalsoziologe, deutet eben dies in seinem Interview mit Saskia Blatakes an. Auch er würde wohl als Staatsfeind angesehen werden, wenn man seine Aussagen nur „richtig“ interpretiert. Nachzulesen ist sein Interview in der Ausgabe der „Wiener Zeitung“ vom 7.10.2014 und auf Seite 19 unter dem Titel „Nichts zu verbergen: Alles verloren“.

Die Entwicklung zum Überwachungsstaat ist zweifellos negativ. Den unwiderlegbaren Beweis dafür erhält man, wenn man einen Blick auf die Geschichte wirft. Regimes, die auf „vehemente Überwachung“ setzten und jeden Kritiker zum Staatsfeind erklärten, zogen den Unwillen des Volkes auf sich und wurden auf die ein oder andere Art abgesetzt. Denn kein Mensch, nicht einmal die Politiker selbst, will rund um die Uhr überwacht werden. Privatsphäre ist mehr als nur ein Muss, es ist ein Grundrecht, nämlich das Recht auf Leben.

Andererseits ist gar keine Überwachung vom Staat auch nicht das Wahre. Denn keine Überwachung führt unweigerlich zu weniger Kontrolle. Wenn man tun und lassen kann, was man möchte, ohne, dass jemand eingreift, dann hat man sehr schnell ein Problem. Überwachung bis zu einem gewissen Grad muss zum Wohle der Bürger sein, das steht außer Frage.

Doch wie lange ist Überwachung zum Wohle der Bürger, wenn jedem leidenschaftlichen Gamer oder Ego-Shooter-Fan gleich das Label „potentieller Attentäter“ verpasst wird? Menschen mit eigener Meinung werden zum Staatsfeind erklärt. Die Überwachung selbst ist dabei das kleinere Übel, verglichen mit der Interpretation der „erwirtschafteten“ Daten. Hierbei fällt einem das „achso-bequeme“ Schubladendenken gehörig auf den Kopf. Denn bei der Auswertung und Interpretation der Daten wird wohl kaum nach dem „Warum“ gefragt – oder erst, wenn es zu spät ist. Wenn Gamer als Amokläufer und Kritiker als Verbrecher hingestellt werden. Wenn eine eigene Meinung zu haben, gefährlich ist,  dann geht die Überwachung eindeutig zu weit. Solange die Rechte anderer respektiert werden, soll ein Mensch tun dürfen, was immer er will.

Trotzdem sind gewisse Grenzen äußerst wichtig, ebenso wie die Gewissheit, dass deren Übertreten bestraft wird. Denn die Geschichte hat gezeigt, dass der Mensch ein Egoist ist und ihm die Rechte anderer manchmal absolut egal sind. Hier ist ein Maß an Überwachung essentiell, um Verbrechen zu verhindern und den Menschen Normen sowie Grenzen aufzuzeigen. Gesetze alleine nützen einem nichts, wenn niemand deren Einhaltung überwacht. So sollte ein friedliches Miteinander garantiert werden.

Aber wenn die persönliche Freiheit der Menschen zu stark, oder gar gänzlich eingeschränkt wird, ist es höchst unwahrscheinlich, dass dies klaglos hingenommen wird. Man schafft so nur weiteres Konfliktpotential. Friedliches Miteinander hin oder her, wenn kein Mensch einen Schritt machen kann, ohne beobachtet zu werden, schafft das logischerweise Frust. Frust gepaart mit jede Menge Unwillen. Politiker, die dann immer wieder so nett sagen „Sicherheit kommt nun mal mit einem gewissen Preis“, machen die Sache dann auch nicht mehr wirklich besser. Menschen können nämlich ziemlich „uneinsichtig“ sein, wenn es darum geht, ihre Freiheit zu opfern – selbst wenn es für die Sicherheit und „zum Wohle aller“ ist.

Doch warum heißt die Frage überhaupt „Freiheit oder Sicherheit“? Weshalb dieses „oder“? Kann der Mensch nicht frei und sicher sein? Sowohl die Freiheit als auch die Sicherheit sind enorm wichtige Faktoren im Leben eines Menschen. Aus welchem Grund sollte man also zwischen den beiden wählen müssen? Vollkommene Sicherheit ist nichts weiter als eine Illusion und mit der vollkommenen Freiheit ist es nicht anders. Keines der beiden ist gut für die Menschheit, weshalb dieser Konflikt nach einem Kompromiss schreit. Nach einem Mittelweg, bei dem weder die Freiheit des Einzelnen zu stark korrumpiert, noch die Sicherheit aller gefährdet wird.

Jeder hat Geheimnisse. Jeder hat das Bedürfnis nach einer Privatsphäre. Das ist selbstverständlich und absolut natürlich. Nur weil der Mensch nicht alles offenlegt, heißt das jedoch nicht, dass er etwas zu verheimlichen hat. Genauso wenig braucht es einen Überwachungsstaat, um Sicherheit für die Staatsbürger zu garantieren. Also: Nein. Nein zum Überwachungsstaat.

Zur Erklärung, hierbei handelt es sich um meine Umsetzung einer Aufgabenstellung meines Deutschprofessors. Es ist eine dialektische Erörterung und da ich das Thema durchaus interessant finde, würde ich gerne eure Meinungen dazu hören 🙂

Hier findet ihr das Interview, auf das ich mich beziehe.

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Ein Gedanke zu “Staatsfeind Nr. 1?

  1. BirthesLesezeit schreibt:

    Ein interessantes Thema, über das man sicherlich Stunden diskutieren könnte… ;-). Überwachung und Regeln sind für mich nicht unbedingt gleichzusetzen. Das Miteinander vieler Menschen ist nunmal gewissen, einheitlichen Regeln unterworfen. Ohne würde es wohl auch nicht funktionieren, denn wir sind Menschen mit unterschiedlichen Ansichten, Meinungen, Wünschen… Verletzungen dieser Regeln müssen in irgendeiner Form Konsequenen haben, um glaubwürdig zu bleiben, so läuft immerhin auch die Erziehung der Kinder ;-). Inwieweit dafür aber immer Überwachung „von oben“ notwendig ist…? Vieles wird im Alltag mehr oder weniger geduldet, im „Schadensfall“ jedoch kommt es zum Tragen (Smartphone im Auto) – wenn man es nachweisen kann…

    Gibt es überhaupt die „komplette Freiheit“? und/oder die komplette Sicherheit? Komplett frei sind wir auf einer einsamen Insel, ansonsten unterstehen wir gewissen Zwängen, die uns einengen. Ich kann Dir nur zustimmen: beides ist eine Illusion, die im Zusammenleben mit anderen einen Kompromiss fordert.
    Auch von mir ein eindeutiges Nein zum Überwachungsstaat, der außerdem viel zu hohe Manipulationsmöglichkeiten bietet.
    Liebe Grüße, Birthe

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