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Warum dichten einfach ist

…und auch wieder nicht.

Dichten ist eine Kunst. Das Spiel mit Worten erfordert Talent, ein umfassendes Vokabular, theoretisches Wissen, ein gewisses Gefühl und jede Menge Herzblut. In dieser Beschreibung sind Gründe für die Simplizität als auch Gründe für die Komplexität von dichten enthalten. Was in welche Kategorie gehört, gilt es nun zu erörtern.

Dichten ist einfach, weil…

Ich bin so mutig zu behaupten, dass dichten nicht mehr als das Spiel mit einem Baukasten ist. Und mit diesem Baukasten möchte man eine bestimmte Form zusammensetzen. Der Baukasten sind die Wörter einer Sprache und die verschiedenen Arten von Gedichten sind die Bauanleitungen, die Schablonen sozusagen. Denn jede Gedichtgattung gibt einem in gewisserweise ein Reimschema und ein Metrum vor. Das Sonett im Englischen etwa besteht aus 14 Zeilen fünfhebiger Jamben und das Reimschema lautet abab cdcd efef gg (Glaubt mir, ich habe gerade selbst eines geschrieben 😉). Nun muss man im Prinzip mit trial and error die „richtigen“ Worte finden und einsetzen und voilà: man hat ein Shakesperian Sonnet. Am besten thematisiert man noch eine geheime Liebe, schreibt von einer Affäre oder bewundert die Liebste aus der Ferne. In den letzten beiden Verszeilen, dem final couplet, verpackt man noch eine Resolution oder eine überraschende Konklusion und schon ist ein typisch englisches Sonett fertig. Lange Rede, kurzer Sinn: Genau dieses Baukasten- und Schablonensystem macht das Dichten simpel. Denn seine Botschaft in eine solche Schablone zu zwängen, ist mehr oder minder einfach (je nachdem wie eng man es mit Metrum und Reim sieht). Doch gehört wirklich nicht mehr dazu?

Dichten ist schwer, weil…

Ihr habt es schon kommen hören und hier ist es nun: Das ABER. Denn so simpel der Aufbau eines Gedichtes sein mag, den Klang, die Bilder und das Herzblut, die ein bewegendes Gedicht ausmachen, bekommt man durch das bloße Aneinanderreihen von Wörtern nicht hin. Und hier sind wir jetzt auch bei dem kunstvollen Bereich angekommen: Banale Wörter so zu kombinieren und arrangieren, dass sie mehr aussagen, miteinander klingen und Emotion vermitteln. Sprache ist lebendig und in Gedichten finden sich die kunstvollsten und umwerfendsten Konstellationen. Hier ist auch das wirkliche Talent und das meiste Gefühl versteckt. Denn die Wortwahl alleine kann eine enormen Unterschied machen.

Überzeugt euch selbst. Egal welches Gedicht und welche Sprache – macht euch ein Bild. Genießt diese besondere Verwendung von Sprache und lässt euch inspirieren. Lasst euch bewegen, belehren und inspirieren von Shakespeare, Schiller, Shelley, Keats, Rilke, Barret Browning, Wordsworth, Rossetti, Goethe, Heine, Trakl und all den anderen Meistern der Sprache. Und sollten diese Klassiker nicht euer Fall sein – kaum zu glauben, aber es gibt auch heute noch jede Menge Poeten von denen man eine Menge lernen und mitnehmen kann. Erweitert euren Horizont und probiert etwas Neues!

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2 Kommentare zu „Warum dichten einfach ist

  1. Hallo, Smarty!
    Das ist witzig insofern, dass ich neulich einen „neuen“ Dichter entdeckt habe, dessen Gedichte ich absolut vergöttere: Shel Silverstein. Einen seiner Gedichtbände hab ich mir zum Geburtstag gewünscht. Der kämpft jetzt mit Joseph von Eichendorff um den Platz als Lieblingsdichter in meinem Herzen. 🙂
    Ich selber kann absolut nicht dichten. Ich bin immer vollkommen fasziniert, wenn jemand – wie einer meiner ehemaligen Kollegen – aus dem Stehgreif ein Gedicht aus dem Hut zaubert. Wie machen die das bloß?
    LG, m

    1. Find ich super! Den muss ich mir mal anschauen 🙂 Bin selbst zur Zeit total von Sonetten eingenommen, weil ich dazu einen genialen Kurs an der Uni hab.
      Ja, Eichendorff ist auch nicht schlecht 🙂 dennoch liegen mir englische Gedichte irgendwie mehr, keine Ahnung warum.
      Das würde ich als Können kategorisieren 😂 manchen Leuten fällt es schlicht einfacher – keine Ahnung warum. Wobei man als regelmäßiger Gedichtleser sicher ein besseres Gefühl dafür entwickelt.
      Liebe Grüße

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