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Ann Cotten – Was geht?

Dieses Semester wurde an meiner Uni wieder eine Poetikvorlesung angeboten, das Thema war „Was geht?“ und die Autorin Ann Cotten und ihre Werke stand im Zentrum. Im Zuge der Vorlesung wurden erste einige Aspekte der Werke als Vorbereitung thematisiert und letzte Woche war Ann Cotten dann persönlich hier. Sieh hielt drei Vorträge, stellte ihr neues Buch (Jikiketsugaki Tsurezuregusa) vor und stand in zwei Konservatorien für Fragen zur Verfügung. Hier nun ein kurzes Autorenportrait, eine Rezension ihres Versepos „Verbannt“ und mein persönlicher Eindruck.


Autorenportrait: Ann Cotten

Ann Cotten wurde in Amerika geboren und kam im zarten Alter von fünf Jahren mit ihren Eltern nach Wien. Dort verbrachte sie den Rest ihrer Kindheit und begann ihr Studium der Germanistik. Heute lebt sie in Berlin und schreibt für Suhrkamp und Kleinverlage wie Peter Engstler. Sie schreibt und dichtet gleichermaßen und wird meist zur Avantgardeliteratur gezählt, da sie gerne mit Sprache experimentiert und spielt (wie man etwa an ihrem Autogramm sieht). Das Thema der Poetikvorlesung ist eine Frage, die sie sich nach eigener Aussage oft stellt. Dieses Austesten der Möglichkeiten und Grenzen spiegelt sich auch in ihren Werken wieder.

Verbannt!

Inhalt nach Suhrkamp:

Eine Fernsehmoderatorin wird aufgrund wiederholten Fehlverhaltens auf eine einsame Insel verbannt mit nichts als einem Messer, einem Schleifstein und Meyers Konversations-Lexikon. Sie findet bald heraus, dass die einsame Insel doch nicht ganz so einsam ist. In Neo-Spenser-Strophen erzählt Ann Cotten diese ungewöhnliche Geschichte und beschreibt die Abenteuer und Begegnungen der Moderatorin. Dabei sind Elemente dieser skurrilen Geschichte nur des Reimes wegen vorhanden, was durchaus amüsant ist. Und manchmal weigert sich die Deutsche Sprache sich nahtlos in die Englische Strophenform einzufügen. Alles in allem ist Verbannt! einfach anders. Anders und unterhaltsam – wenn man sich denn darauf einlassen kann.

Eindrücke:

Ehrlicherweise muss ich zugeben, dass ich mich beim Lesen von Verbannt! anfangs etwas gequält habe. Denn sich auf diese Weise auf einen Text einlassen zu müssen, war mir neu. Dazu kam die ungewohnte Strophenform, die vielleicht laut vorgelesen besser zur Geltung gekommen wäre – oder in Englisch. Was ich bisher von ihren Erzählungen gelesen habe, ließt sich für mein Empfinden besser, strotzt aber genauso von Intertextualität. Was ich von der Autorin persönlich erwarten sollte, war mir vorher gänzlich unklar.

Die Gespräche und Diskussionen mit Ann, sowie ihre Offenheit und Ehrlichkeit, fand ich allerdings sehr spannend – genauso wie ihre Vorträge und Ansichten. In der strengeren Uni-Um gebung war ihre Art einfach erfrischend. Ihr Interesse an Japan und ihr Wissen über diese Kultur fand ich faszinierend und ihre Begeisterung an W.H. Auden ansteckend (das ist wohl der Anglist in mir). Auden war für sie vor allem im Bezug auf Verbannt! eine Quelle der Inspiration – zusammen mit ihrem Fund des Konversations-Lexikons.

Auch wenn Anns Werke nicht zwingend für jedermann sind, kann ich ein Reinschnuppern dennoch empfehlen. Einfach, um mal etwas Neues auszuprobieren und um eine andere Art des Lesens – und des sich auf den Text Einlassens – kennenzulernen.

Abschließend:

Habt ihr schon mal etwas von Ann Cotten gelesen – oder überhaupt von ihr gehört? Habt ihr euch schon mal mit moderner Avantgardeliteratur befasst? Ich vor der Poetikvorlesung definitiv nicht und vielleicht werde ich mich künftig mehr mit dieser Gattung befassen.

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