Murder on the Links

Nein, ich hab mich beim Titelbild nicht vertan – Ich habe mir The Mysterious Affair at Styles für den re-read damals in der Bibliothek ausgeliehen. Dass sie das Buch nur in Form eines uralten Omnibus hatten, hat mich am Ende wenig gestört, da ich die folgenden zwei Teile dann ebenfalls gleich verschlingen konnte. Diese Teile sind eben Murder on the Links und die Kurzgeschichten Poirot Investigates. Leider habe ich damals allerdings nur ein einziges Foto gemacht: Das Titelbild. Ergo, die Rezensionen müssen sich das Titelbild teilen, genauso wie sich die Geschichten ein Buch teilen. 😉

Poirot startet mit Vollgas und Captain Hasings im Gepäck in seinen nächsten Fall. Ein Millionär wird erstochen auf seinem Golfkurs gefunden, im Mantel seines Sohnes und einem Liebesbrief in der Tasche. So weit, so mysteriös. Ein zweifelnder Hastings auf der komplett falschen Spur, noch mehr unerklärliche Tatsachen und eine zweite Leiche können Hercule Poirot jedoch nicht von der Spur abbringen und er führt seine Ermittlungen unerbitterlich fort.

Auch das zweite Abenteuer des Hercule Poirot ist fulminant, fesselnd und furchtbar unterhaltsam. Auf seine üblich mysteriöse Art denkt Poirot nicht mal daran, Hastings (und somit den Leser) über seine Erkenntnisse am laufenden Stand zu halten, was immer wieder zu „Jaw-drop“-Momenten führt. Und zu einem extrem doof dreinschauenden Hastings. Inzwischen ist dessen Einstellung schon altbekannt und man grinst nur noch vielsagend und wohlwissend, wenn er mal wieder an Poirots Kapazitäten zweifelt und seine eigenen Ansätze für weitaus plausibler hält. Christie liefert erneut einen klassischen Krimi mit jeder Menge Unterhaltungspotential.

Die Chemie zwischen den Charakteren stimmt genau, es gibt Rivalitäten mit einem anderen Ermittler, zwielichtige Gestalten und eine undurchsichtige Liebesgeschichte. Poirot und Hastings arbeiten wie immer mehr oder weniger gut zusammen (Hastings verhilft Poirot ab und an zu Erkenntnissen, ohne selbst irgendetwas zu erkennen) und Poirot ist meist sein übliches, charmantes Selbst. Hastings lässt sich außerdem mal wieder den Kopf verdrehen, was die Konstellation umso spannender macht. Christie schafft es erneut, eine gewisse Vagheit zu etablieren, in der alles plausibel und möglich erscheint.

‘Eliminate all other factors, and the one which remains must be the truth.’

Anderer Detektiv, gleiches Prinzip. Auch Poirot operiert oftmals nach diesem Prinzip, wenn auch seine Gedankengänge dem Leser erst im Nachhinein offensichtlich erscheinen. Dies trägt zur allgemeinen Spannung bei und es wird nie etwas zu früh verraten, alles kommt genau zum richtigen Zeitpunkt ans Licht. Dadurch ist der Spannungsbogen der Geschichte niemals gebrochen und als Leser fühlt man sich praktisch ans Buch gefesselt, da man es vor lauter Neugier und Ungeduld kaum weglegen mag.

Zu schätzen ist auch die gleichmäßig und anregende Sprache, in welche Christie ihre Geschichte verpackt. Klar und verständlich, nicht zu blumig, einfach genau richtig für die Charaktere und die Geschichte. Diese wird ja aus Hastings Perspektive erzählt, weshalb man klarerweise meist nur weiß, was er erzählt und bemerkt. Sicher könnte man versuchen, wie Poirot, alle Hinweise zu sammeln, doch ich empfinde es meist als spannender, mich Hastings Perspektive voll und ganz hinzugeben und mich am Ende dann einfach verzaubern und überraschen zu lassen.

Murder on the Links ist eine würdige Fortsetzung und die gesamte Poirot-Reihe ist für mich schon nach dem zweiten Band ein absolutes Muss für jeden Krimi-Fan. Und wer kann, sollte sich diesen genialen Detektiv auf jeden Fall im englischen Original zu Gemüte führen.

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2 Gedanken zu “Murder on the Links

  1. msmedlock schreibt:

    Hallo, Smarts!
    Ich muss jetzt unbedingt mal mit meinem „Mord im Pfarrhaus“ anfangen. Ich bin mehr ein Marple-Fan als ein Poirot-Anhänger, aber naja. Hastings klingt allerdings nach einem Charakter, der mir gefallen könnte. 😀
    Schöne Rezension!
    LG, m

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